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Schlafzimmer des Künstlers

Enstehungsjahr: um 1920
Material: Öl/Papier
Maße: 20 x 29 cm

Dieses kleine Meisterwerk zeigt das Schlafzimmer Fritz Griebels im elterlichen Pfarrhaus in Heroldsberg. In der Manier der Malerei des 19. Jahrhunderts demonstriert uns der junge Künstler, der erst 1917 das Studium an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg bei Rudolf Schiestl (1878-1931) aufgenommen hatte, seinen Blick auf persönliche Dinge: ein Bett mit einem weißem Federbett, ein Nachttisch, eine Waschkommode, darüber ein Spiegel. Durch weit geöffnete Fensterläden blicken wir auf eine Baumkrone. In seinen Erinnerungen an die Heroldsberger Zeit berichtet Fritz Griebel von einem Nussbaum mit einer mächtigen Krone: „Man konnte immer, d.h. in den verschiedenen Jahreszeiten, das Leben in diesem alten, mächtigen Baum beobachten, natürlich Vögel, auch Eichhörnchen und sobald junge Vögel da waren, stellten sich auch die Katzen ein, die wir natürlich mächtig verfolgten.“

Adolph Menzel: Schlafzimmer des Künstlers in der Ritterstraße, 1847, Öl/Karton,, 56 x 46 cm, Alte Nationalgalerie, Berlin.

Von diesem jahreszeitlichen bedingtem Leben in der Baumkrone ist in diesem kleinen Bild nichts zu sehen. Und doch vermittelt der impressionistisch gemalte Fensterausblick genau die zitierte Stimmung. Es ist Frühling oder ein lauer Sommermorgen. An der linken weißen Wand reflektieren sich sanft Sonnenstrahlen. Der Fensterausblick fungiert als Bild im Bild und trägt wesentlich zu der intimen Atmosphäre des Bildes bei.

Künstler haben immer wieder ihre privaten Räume dargestellt. Adolph Menzel (1815-1905) malte in seinen Frühwerk in den 1840er und 1850er Jahren eine Reihe von Bildern, die Elemente des Impressionismus, wie den Verzicht auf eine Handlung, die farbige Darstellung des Lichts und den Eindruck des Momentanen, Flüchtigen vorweg zu nehmen scheinen. Hierzu zählen unter anderem „Das Balkonzimmer“ (1845), eines seiner bekanntesten Gemälde überhaupt sowie „Schlafzimmer des Künstlers in der Ritterstraße“. Es zeigt rechts an der Wand stehend ein Bett, hinter dem sich vor dem Fenster ein Schreibpult mit Aufsatz befindet. Auf der Fensterbank sehen wir eine Büste und Blumentöpfe. Der Ausblick zeigt die Dächer von Berlin. Adolph Menzel betrachtete diese Bilder offenbar als private, inoffizielle Arbeiten und stellte sie erst sehr spät erstmals aus; zum Teil wurden sie der Öffentlichkeit erst nach seinem Tod bekannt.

Vincent van Gogh: Schlafzimmer des Künstlers in Arles, 1889, Öl/Lwd., 72 90 cm, Van Gogh Museum, Amsterdam.

Auch Vincent van Gogh (1853-1890) malte diverse Male sein Schlafzimmer. Das berühmteste Bild zeigt sein Schlafzimmer in seinem Haus in Arles, welches er selbst eingerichtet hatte. Nur wenige Gegenstände gab van Gogh in reinen Farben mit Umrissen wieder. Er malte dieses Bild, um ein „Gefühl vollkommener Ruhe“ zu vermitteln. Und doch brechen die Linien von Fußboden und Bett diese Ruhe auf – sie wirken unstet. Das Fenster ist hier fast geschlossen und gibt keinen Ausblick preis. Es ist die reine Innerlichkeit, die uns van Gogh zeigt.

Fritz Griebel schuf dagegen mit seinem Interieur eine sich öffnende Innerlichkeit. Das atmosphärisch dichte Bild, entstanden in jungen Jahren Griebels, darf zurecht als kleines Meisterwerk bezeichnet werden.