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Gustav Seitz

Enstehungsjahr: 1930
Material: Öl/Leinwand
Maße: 56 x 47 cm

Das hier vorzustellende Bildnis zeigt seinen Freund Gustav Seitz (1906-1969), den in Mannheim-Neckerau geborenen Bildhauer und Zeichner. Griebel und Seitz lernten sich 1926 während einer Eisenbahnfahrt nach Dresden zur großen Internationalen Kunstausstellung kennen. Sie verstanden sich vom ersten Moment an, obwohl sie unterschiedlichen Charakters waren. Der sieben Jahre ältere Fritz Griebel nahm sich des Jüngeren sehr an. Beide profitierten von einander, besonders Seitz von dem sehr belesenen Griebel. Eine lebenslange Freundschaft sollte die beiden Künstler verbinden. Sie sprachen in ihren Briefen über Kunst und Künstler und nahmen jeweils regen Anteil an der Entwicklung des Anderen.

So ermutigte Seitz seinen Freund eine Scherenschnitt-Ausstellung 1942 in Berlin zu initiieren: „Vor allem freue ich mich über die Auswahl. Als ich in die Räume kam, sah ich dass nur Scherenschnitte ausgestellt waren. Sie sind ja auch so ideenreich.“ Und im Hinblick auf vergangene Ausstellungen stellte er fest: „Vor allem machtest du den Fehler, dass Du gleich Deine verschiedenen Begabungen präsentiertest. Das hat hier [in Berlin]keinen Zweck. Ein einheitliches Bild wie der Scherenschnitt, so muss Deine Ausstellung von Deinen Bildern sein.“

Jahre zuvor – am 14.9.1927 – schreibt Gustav Seitz an Griebel: „Ausserordentlicher Dank spricht aus meinem Herzen, auf Deine Aufmerksamkeit und deren Liebe Du mich auf meine Fehler aufmerksam machst. […] Dass ich fester und bewusster in das Leben sehen und treten muss, dass steht mir schon lange immer in der Gegenwart, nur konnte ich die Zeit nicht finden, die mir das völlige Bewusstsein meines Leichtsinns immer mehr vor die Augen stellte. Warum träumte ich eigentlich bis zur jetzigen Stunde? […].“

Fritz Griebel malte seinen Freund vor einem blaugrauem Hintergrund als Bruststück. Er trägt Hemd und Krawatte, darüber einen Pullunder. In der rechten Hand hält er eine in den Mund führende Pfeife; kein Rauch entsteigt ihr. Sinnierend blickt er im Dreiviertelprofil in die Ferne. Es scheint, als ob ihn die Pfeife beim Nachdenken helfe. Giebel legte besonders Wert auf die Wiedergabe des Gesichts als Träger der Kommunikation, des Ausdrucks und der Identifikation. Keine Affekte kennzeichnen den Künstler Seitz, er strahlt im Gegensatz Ruhe und Entspanntheit aus.

Seitz war zum Zeitpunkt als Griebel das Bildnis malte 24 Jahre alt, konnte bereits auf erste künstlerische Erfolge zurückblicken und wurde Meisterschüler bei Wilhelm Gerstel (1879-1963). Am 13.10.1930 schreibt Gustav Seitz an Griebel: „[…] ja, ich muss es Dir schreiben, Du weisst nicht, wie gut es mir eben geht. Ich bin es selbst, der es sich so gut macht. Trotz Nachtarbeit, die 4 Tage hintereinander gewesen ist, die mir Geld einbrachte, so dass ich Schulden zahlen kann, und dies ist es was mich freut, auch endlich geben zu können, ohne nehmen zu müssen. O, könnte ich es immer! – Nicht nur das, ich bin auch klarer in meinen Kopf, habe ein bestimmtes Ziel in meiner Arbeit gesetzt, dem ich mit viel Freude entgegensehe. […].“

Das Porträt vermittelt den Eindruck von Selbstsicherheit, die der Bildhauer Seitz mit der Pfeife als Symbol des Weltmännischen betont. Darüber hinaus ist dieses Porträt kein klassisches Künstlerbildnis, welches den Künstler im Atelier zeigt, sondern es ist ein Porträt eines bürgerliches Mannes, der fest im Leben zu stehen scheint und eines Künstlers, der am Beginn seiner Karriere steht. – Selbstsicher und doch auch zweifelnd, ob sich sein gesetztes Ziel verwirklichen lassen wird, malte Griebel seinen Freund Gustav Seitz.

Auf außerordentliche Art und Weise gelingt es Griebel, das Innere, das Wesen seines Freundes zu entäußern – und bezieht sich hiermit buchstäblich auf die lateinische Bedeutung des Wortes Porträt, das „herausziehen“ meint.

 

Zitate entnommen aus:
Gustav Seitz. Werke und Dokumente. Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmusen, Nürnberg. München 1984, S. 37, 40f.(sic!) sowie Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Nachlass Fritz Griebel, I C-197 (sic!).