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„Er war ganz weltoffen.“

Rolf Fütterer über seine Studienzeit bei Fritz Griebel

Rolf Fütterer studierte von 1959 bis 1962 bei Fritz Griebel an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und von 1962 bis 1964 an der Akademie in München. Er war Kunsterzieher und ist als freier Künstler in Ansbach tätig.

„Ohne Fritz Griebel hätte ich die ganze Kunstszene gleich hinter mir gelassen. Griebel hat mich stabilisiert“, erinnert sich heute der Künstler Rolf Fütterer. Wie kein anderer Kunstprofessor bestätigte Fritz Griebel ihn, einen künstlerischen Weg zu gehen. „Er war für jede Zeit eine Ausnahme, wir hatten erst hinterher begriffen, was für ein Glück wir mit ihm hatten. Griebel war ein Gentleman.“

Fritz Griebel war der einzige Professor, der jeden Tag da war. Er kam früh in die Akademie und ging spätabends. Er war Ansprechpartner für seine Schüler, die ihn sogar Zuhause um Rat fragen konnten. Fritz Griebel hielt denn nicht nur Klassenbesprechungen ab, sondern auch Einzelbesprechungen. „Er machte einem Mut. Er war sehr empfindsam und belesen. Ein typischer Satz von ihm lautete:,Gucken Sie noch mal hin!‘ Griebel konnte auf Anhieb erkennen, was im Bildsystem nicht stimmte“, äußert Rolf Fütterer.

Fritz Griebel tendierte dazu, die bildnerische Vielfalt aus dem Naturstudium herauszufiltern und ins Abstrakte zu überführen. Häufig sagte er: „Schauen Sie sich die Natur an! Da steckt so viel darin, wenn Sie zu einer bildnerischen Vielfalt kommen möchten.“ Die Moderne kennzeichnet für den Künstler Rolf Fütterer eine „Vielfalt wie im Pluralismus“. So ist für ihn sein Lehrer modern im Denken gewesen, denn er ließ künstlerische Vielfalt zu. Rolf Fütterer erhielt sogar einmal den Klassenpreis, obwohl er anders malte als seine Klasse. Griebel war für ihn im Gegensatz zu anderen einer der weltoffensten Lehrer. Er hatte keine eingeengte Weltanschauung. „Er war kein geistiger Schrebergärtner.“

Dies drückte sich auch in seiner Teilnahme an der Deutschen Friedensunion aus. Die 1960 in der Bundesrepublik Deutschland gegründete politische Partei wandte sich gegen jegliche Lagerung von Atomwaffen und befürwortete den Austritt der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aus den Blocksystemen in West und Ost. Im Ersten Weltkrieg verlor Griebel seinen Bruder Paul, zu dem er eine enge Beziehung hatte. „Griebel wollte keinen Krieg mehr. Leider wurde er im Kollegium als Spinner abgetan und diskriminiert. Fritz Griebel war ein Humanist“, erinnert sich sein Schüler. Bereits in Griebels Denkschrift von 1947 über die staatliche Akademie in Schloss Ellingen strebte er als Ziel „die Erziehung zum ganzen Menschen, zur Humanität“ an. (BayHSta, Mk 51448)

Rolf Fütterer: Salz, 1980, Acryl/Hartfaserplatte,1 x 1,30 m

 

Während der Akademiezeit bei Fritz Griebel wurden auch Studienreisen nach Italien unternommen, was zu der Zeit nicht unbedingt üblich war. Lehrer und Schüler arbeiteten dort gemeinsam an künstlerischen Problemen. Es herrschte zudem ein spielerischer Umgang in der Klasse: „Wir führten improvisierte Theaterstücke auf, bei denen Griebel z.B. als stilisierte Gottheit mit Lorbeerkranz auftrat. Er war zu jedem Spaß aufgelegt.“

Besonders lehrreich war für Rolf Fütterer die Anregung Griebels die Augen offen zu halten. „Ich habe gelernt, in Ecken zu schauen. Sehen lernen, was ringsum ist. Das Versteckte entdecken. Eine Welt-Anschauung.“ So malte Griebel z.B. in Italien einfach Mauern, was die Schüler faszinierte.

„Sehen lernen“ – das Fundament eines jeden Künstlers sowie eine gewisse Verfeinerung, Farbklänge und Farbstimmung im bildnerischen Sinn zeugen noch heute in der surrealen Bildsprache Rolf Fütterers von der Studienzeit bei Fritz Griebel.

 

Antje Buchwald