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Peter mit Kanarienvogel

Enstehungsjahr: um 1948
Material: Öl/Leinwand
Maße: 68 x 82 cm

Das präzise komponierte Werk des Monats zeigt den Sohn des Künstlers Jens Peter Griebel im Alter von sieben Jahren. Er sitzt hinter einem Holztisch auf dem sich vor ihm ein flacher Obstkorb und eine stehende Tröte befinden. Mit einer Hand hält der Junge eine längs vor ihm liegende Flöte fest. Über seinem Kopf ragen aus dem Bildrand vor dem blaugrauem Hintergrund dunkelgrüne Blätter hervor. Oberkörper und Kopf des Jungen sind leicht nach rechts gerichtet. Sein Blick folgt einem fliegenden Kanarienvogel.

Fritz Griebel beschränkte sich bei dem Porträt seines Sohnes auf eine einfache Komposition. Er teilte die Bildfläche in zwei Zonen auf: In die zwei Drittel große obere malte er das Bruststück seine Sohnes und den fliegenden Vogel, in die ein Drittel große untere Zone das Früchte- und Musik-Stillleben. Verbindendes Element ist der rechte Arm des Jungen sowie die Tröte.

Auch die Farbpalette ist wieder einmal auf wenige Kontraste reduziert. Hervorstechend sind die leuchtend roten, über Kreuz geknöpften Hosenträger des Kindes und das gelbe Gefieder des Vogels, der fast rudimentär gemalt wurde, ist doch ein Flügel vom Körper separiert.

Fritz Griebel: Stillleben mit Annette, nach 1945, 80 x 98 cm

Das Bildnis ist das Pendant zu dem Bild „Stillleben mit Annette“, welches des Künstlers Tochter Annette an einem Tisch sitzend neben zwei großen Obstkörben zeigt. Während das Mädchen fast hinter den Obstkörben zu verschwinden scheint, liegt der Fokus in diesem Werk des Monats eindeutig auf den Jungen, der fast in der Bildmitte platziert wurde.

Vermittelt das Bild „Stillleben mit Annette“ eine melancholische und kontemplative Stimmung, lässt sich hier Aktivität beobachten. Peter, der gerade noch Flöte gespielt hatte, legt diese beiseite, denn ein Kanarienvogel saust an seinem Kopf vorbei. Der Raum war zuvor vom Flötenspiel erfüllt und nun vom Gezwitscher und Flügelschlag des kleinen Vogels.

Pintoricchio, Porträt eines Knaben, um 1500, 35 x 28 cm, Gemäldegalerie Dresden

Fritz Griebel malte seinen Sohn nicht beim Spielen oder Musizieren. Kompositorisch ist das Bildnis an die frühen autonomen Kinderbildnisse seit dem 15. Jahrhundert angelehnt. Das Porträt seines Sohnes malte Fritz Griebel reduziert in seinem eigenen unverwechselbaren Stil.

 

Antje Buchwald 2014