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Bauernhaus in der Toskana


Enstehungsjahr: 1939
Material: Öl/Leinwand
Maße: 65,3 x 80,3
Besitz:Kunstvilla in KunstKulturQuartier Nürnberg
Foto: Annette Kradisch

Seit Mai dieses Jahres ist die Kunstvilla in Nürnberg eröffnet. In den vergangen drei Jahren wurde die neobarocke Villa in ein modernes Ausstellungsgebäude umgebaut. Einst vom wohlhabenden Hopfenhändler Emil Hopf (1860–1920) nach Entwürfen des Frankfurter Villenarchitekten Heinrich Theodor Schmidt (1843–1904) 1894 errichtet, erfuhr die Villa eine wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte. Das 1974 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude ist das einzige, welche in der größtenteils kriegszerstörten Marienvorstadt erhalten blieb. Die Villa ist ein einzigartiges Baudenkmal für die ehemals reiche Villenkultur.

Die Sammlung der Kunstvilla umfasst Werke von 1900 bis heute. Das städtische Museum widmet sich der Präsentation, Vermittlung und Erforschung der regionalen Kunstgeschichte. Auf rund 600 qm Ausstellungsfläche sollen thematische wie monografische Ausstellungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus den städtischen Beständen sowie von öffentlichen und privaten Leihgebern präsentiert werden.

In der Sammlung der Kunstvilla befinden sich auch zwei Kunstwerke von Fritz Griebel, von denen eins hier näher vorgestellt werden soll. Das Gemälde Bauernhaus in der Toskana wurde 1964 aus Anlass einer Ausstellung in der Fränkischen Galerie von der Stadt Nürnberg erworben.

Es ist klassisch aufgebaut: Im Vordergrund gehen Bauern verschiedene Tätigkeiten nach: Sie beschneiden einen Olivenbaum, jäten das Gemüsebeet oder überprüfen die Saat auf dem kleinen Feld. Im Mittelgrund befindet sich ein größeres hell verputztes Bauernhaus im typischen toskanischen Baustil. Die Fassade verfügt über wenige und schmale Fenster mit grünen Fensterläden, links grenzt eine Loggia an das Gebäude an. Das Dach weist ein geringes Gefälle auf. Typischerweise kargen die Dächer in der Toskana weit über, um die Sonne von der Hausfront fern zu halten. Den Hintergrund bilden Hügel und Horizont.

Kalte und warme Farben verteilte Fritz Griebel gekonnt auf die Leinwand. Er malte keine Details und setzte keine scharfen Konturen. Der Pinselstrich ist eher grob und dick, wobei es der Maler sehr gut verstand, die Farben ineinander verlaufen zu lassen und so harmonische Übergänge schuf.

Dies lässt sich besonders gut an der Mauer, welche das Feld vom Bauernhaus separiert, beobachten. Das Feld bzw. der Garten selbst ist nichts weiter als eine in horizontale Segmente unterteilte Farbfläche. Den harmonischen Farbklang setzte Griebel in der Himmelszone mit den Hügeln fort. Blauabstufungen, Ocker und Weiß füllen die obere Bildhälfte aus.

Gekonnt setzte der Künstler die in der Hochrenaissance parallel zur Zentralperspektive entwickelte Farb- und Luftperspektive ein. Mit zunehmender Entfernung verändern sich die Farben der Gegenstände in einer Landschaft. Das Auge nimmt in der Entfernung keine warmen Farben, wie Gelb, Orange, Rot und Braun, wahr. Die Farben verblauen und verlieren ihre Leuchtkraft.

Fritz Griebel, den es im Laufe seiner Künstlerlaufbahn sehr oft nach Italien zog, ist ein stimmungsvolles Landschaftsbild gelungen, welches Natur und Kultur vereinigt.

Würde man nur dieses eine Werk von Fritz Griebel kennen, könnte man annehmen, man habe es hier mit einem Künstler zu tun, der sein Handwerk beherrscht, aber kein großer Impulsgeber gewesen sein muss.

Das dem nicht so ist, beweisen seine Bilder, die im gleichen Zeitraum entstanden sind. Seit den 1930er-Jahren setzte sich Fritz Griebel mit der Abstraktion auseinander sowie mit dem Surrealismus. Doch die politischen Ereignisse sollten seine künstlerischen Ambitionen zunächst hemmen.

Die Spielzeugkiste, 1930er-Jahre, Öl/Lwd., 130 x 75 cm
Stillleben mit schwebenden Stäben, Ei und Birnen, 1937, Öl/Lwd.,60 x 70 cm


Ab 1929 arrangierte Griebel Ausstellungen in Heroldsberg und Nürnberg. Justus Bier (1899–1990), Experte für Tilman Riemenschneider (1460–1531), wurde sein Förderer. Der Nürnberger Bier, der sich auch mit der Abstraktion und dem neuen Raumverhältnis der Moderne beschäftigte, war von 1930 bis 1937 künstlerischer Leiter der Kestner-Gesellschaft in Hannover und widmete Griebel 1936 eine Einzelausstellung. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft, emigrierte der Kunsthistoriker Bier ein Jahr später in die USA und wurde dort u.a. Direktor des North Carolina Museum of Art in Raleigh.

Fritz Griebel musste unterdessen 1940 eine Gesamtschau seiner bisherigen Werke in der Fränkischen Galerie in Nürnberg aus politischen Gründen absagen. Griebel wurde dann 1941 zum Militär eingezogen. »Erst mit 47 Jahren konnte er aufatmen. Die unausgesprochene, aber stets drohende Gefahr, als Kritiker des Regimes verfolgt zu werden, war überstanden.«

Bekanntlich wurde Fritz Griebel nach dem Zweiten Weltkrieg zum Direktor der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg berufen. »Seine Ernennung zum Akademiedirektor verdankte er nicht allein seinen künstlerischen Leistungen und seinem schon recht umfangreichen Œuvre, sondern vor allem auch seiner untadeligen Haltung während des Dritten Reiches.«

Den Wiederaufbau räumlich und akademisch konnte er nur mit großem Engagement und jahrelanger Überzeugungsarbeit gegen viele anfängliche Widerstände erreichen. Denn eine Akademie mit Sitz in München sollte nach damaliger Ansicht genügen. Mit seinem Kollegen und Freund, dem Architekten Sep Ruf (1908–1982) wurde ein großzügiges neues Gebäude errichtet, das noch heute die Akademie beherbergt.

Dort lehrte Fritz Griebel Malerei und Freie Grafik; über zwei Jahrzehnte auch abstrakte Malerei. Heute namhafte Künstler, wie z. B. Günter Dollhopf (geb. 1937) zählen zu seinen Meisterschülern.

Die Lehr- und Verwaltungsarbeit an der Kunstakademie ließ Griebels eigene künstlerische Tätigkeit vorübergehend in den Hintergrund treten. Doch fand er rasch den Anschluss an die internationale Kunst der Moderne. Seine in den 1930er-Jahren begonnen stilistischen Entwicklungen konnte er nun fortsetzen.

Sein Gefühl für Form, Farbe und Komposition, das im Bauernhaus in der Toskana bereits erkennbar ist, findet in seinen späteren Werken einen folgerichtigen Abschluss. Bis auf wenige Ausnahmen entfernte sich Griebel nicht völlig vom Gegenstand. Seine Bilder sind von (geometrischen) Formen und Zeichen bevölkert, von einer archaischen Gemeinschaft von Mann und Frau und ihren Idolen in der Natur. Durch Griebels archetypische Chiffrierung des Sichtbaren gelingt es ihm, eine außerordentliche Symbolsprache zu entwickeln, die in seinen frühen Scherenschnitten vorgebildet ist.

Komposition aus Zeichen, 1960er-Jahre, Öl/Lwd., 91,5 x 132 cm
Beweinung, 1958–1963, Öl/Lwd., 100 x 80 cm


»Auch wenn diese Bildnisse ausschließlich aus Form und Farbe zu bestehen scheinen, teilt sich in ihnen unverkennbar die menschliche Einstellung des Künstlers mit. Diese Bilder als Werke der ›Klassischen Moderne‹ zu bezeichnen, ist gewiss nicht zu hoch gegriffen.«

Antje Buchwald 2014

 

Literatur
Rauschert, Brigitte: Hommage für Fritz Griebel – seine Scherenschnitte bezaubern bis heute. In: Frankenland. Zeitschrift für Fränkische Landeskunde und Kulturpflege, Jg. 59, H. 2 (2007), S. 119–128; Zitate S. 124, 128.

www.nuernberg.de/presse/mitteilungen/presse_38937.html

www.kunstkulturquartier.de/kunstvilla/