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Studie nach Kreuzigungsszene in einer Kirche in Riva di Garda

Enstehungsjahr: 1952
Material: Aquarell
Maße: 59 x 45 cm
FG 0610

Diese delikate Studie nach einer Kreuzigungsszene in einer Kirche in Riva di Garda demonstriert Griebels meisterlichen Umgang mit dem Aquarell. Es ist eine moderne Interpretation des Sujets „Jesus am Kreuz“. Griebel konzentriert sich ganz auf das Erfassen des Körpers von Jesus. Volumen und Plastizität erschafft er nicht durch Licht und Schatten, sondern einzig durch akzentuierte Farbabstufungen eines Tons. Dies wird besonders an der Bauchmuskulatur und der Beinpartie virulent. Aus negativen, weißen Flächen und Farbmodulen erschafft Griebel den Leib Christi. Das blaue Tuch als Lendenschurz schwingt in barocker Manier zur Seite. Die Gesichtszüge des Sterbenden bleiben eine Andeutung. Auch das Kreuz wird nur in der Arm- und Beinhaltung des Körpers erkennbar.

Die zu den Füßen Jesus kniende Maria Magdalena hat in Trauer ihre Augen verschlossen oder blickt demutsvoll zu Boden. Ihr Kopf schmiegt sich an den nur als unteren Teil erkennbaren Kreuz an. Ihr negative Hand scheint es zu umfassen und mit ihm zu verschmelzen.

Fritz Griebel, den es immer wieder in seinem Künstlerleben nach Italien zog, war bekannt für seine dortigen Exkursionen zu Kirchen und Museen. Auch als Professor für freie Grafik und Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg unternahm er mit seinen Studenten Reisen. Reiseimpressionen hielt er oft in Skizzen fest. Dieses Werk des Monats geht über eine bloße Studie hinaus, überzeugt es doch in seiner Reduzierung der künstlerischen Mittel und in der Modernität des Ausdruck.

 

Antje Buchwald 2019
Kunsthistorikerin